Dezember in Sizilien

Dezember in Sizilien

Dezember in Sizilien

Seit ich das letzte Mal etwas von mir hören habe lassen, ist hier nicht viel passiert. Der Dezember hat sich angeschlichen und mit ihm, wie nicht anders zu erwarten war, kürzere und dunklere Tage. Es stürmt und regnet häufiger und draußen möchte man sich nicht mehr unbedingt stundenlang aufhalten. Selbst bei Sonnenschein treibt der Wind die Kinder heim geschwind.

In den Supermärkten hat man nun die Möglichkeit Weihnachtsbäume zu bestellen, wo die herkommen will ich gar nicht wissen, eine Tanne habe ich hier noch nie gesehen. Dazu kommen schöne, funkelnde Lichterketten an den Häusern, auch unsere Haustür wird nun beleuchtet. Einen traditionellen italienischen Weihnachtskuchen haben wir uns bereits gegönnt. Allerdings fürchte ich, dass uns für den wahren Genuss das nostalgische Gefühl fehlt.
Zur Innendekoration haben wir ein paar Papiersterne gefaltet, da ich keine unerschöpfliche Dekobox im Handgepäck mitgenommen hatte. Auf einen Adventskranz haben wir bewusst verzichtet, ich weiß auch nicht, ob es hier soetwas überhaupt geben würde.

Seit ein paar Wochen fangen die Orangen im Hauseigenen Garten an reif zu werden. Da es Tonnenweise davon gibt und niemand etwas im großen Stil damit anfängt, ist es am besten frisch gepressten Orangensaft herzustellen. Die richtige Mischung ist hier das Geheimnis, denn es gibt sehr süße und sehr saure, bis bittere Sorten. Bei der Saftgewinnung ist Luna eine große Hilfe.

Luna hat jetzt die Phase des großen „Warum?“ angetreten. Wir üben uns in Geduld und geben gerne Antwort, oder versuchen ein Ablenkungsmanöver wenn es einfach nichts plausibles mehr zu sagen gibt. Im falschen Moment kann es einen allerdings an den Rande des Wahnsinns treiben.
Unsere ganz persönlichen Schockmomente haben wir, wenn Luna ihre kleine Schwester hochheben möchte. Und obwohl sich das Gewicht der Beiden kaum unterscheidet, schafft sie es Stella irgendwie anzuheben und manchmal sogar in eine sitzende Position zu bringen. Wenn man da nicht unmittelbar daneben steht hilft nur beten. Bisher ist nichts weiter schlimmes passiert, aber es sieht bedrohlich aus.

Über die letzten Wochen haben wir unsere Nachbarn lieb gewonnen und die eine oder andere schöne Zeit gemeinsam auf der Dachterrasse in der Sonne verbracht. Jetzt ist ihre Zeit auf Lipari zu Ende gegangen und sie ziehen weiter, unbekannten Orten entgegen. Hier konnten wir die letzten zwei Tage miterleben was einem im Winter blühen kann, wenn man die Insel verlassen möchte. Aufgrund der unruhigen See und endlosen Gewittern wurden sämtliche Fährverbindungen nach Sizilien gekappt, und keiner wusste wann sich die nächste Möglichkeit zur Überfahrt bietet. Die beiden haben den gestrigen Tag damit zugebracht zum Hafen zu fahren und irgendwelche Informationen zu bekommen, die gepackten Koffer im Schlepptau. Das Ende vom Lied war, dass dann heute Mittag endlich wieder etwas fuhr und die Reise konnte starten. Wenn kein Schiff fährt kann ja auch niemand neues einem seine Unterkunft streitig machen, daher war eine weitere Nacht kein Problem. Tatsächlich haben wir kaum 3 Stunden später schon wieder neue Gäste in der Nachbarwohnung gehört, ich hätte nie gedacht, dass im Dezember tatsächlich noch Menschen auf die Insel kommen, aber da haben wir uns wohl getäuscht.
Auf jeden Fall gibt es uns ein wenig zu denken, wenn wir in zwei Wochen ebenfalls die Fähre nehmen müssen um zum Flughafen zu kommen, Stürme sind hier auf den Inseln keine Seltenheit und was den Flug angeht gibt es eigentlich keine Alternative. Das Wetter wird jetzt auf jeden Fall von uns sehr genau im Auge behalten und im Zweifelsfall verbringen wir noch ein paar Tage in Catania, von wo aus dann unser Flug nach Frankfurt geht.

In unserer grandiosen Küche durften wir heute erfahren, was passiert wenn plötzlich kein Gas mehr aus dem Herd kommt. Ich gebe zu, es war naiv zu glauben es gäbe hier eine Gasleitung. Dabei haben die hochprofessionellen Leitungen eigentlich schon eine andere Sprache gesprochen. Jedenfalls kann man das halbgare Essen vergessen, wenn erstmal ein Mensch angerufen oder gefunden werden muss, der sich bequemt die Gasflasche auszutauschen. Aber immerhin hat sich unsere Gastgeberin sofort darum bemüht.
Es fasziniert mich immer wieder, welche logistischen Aufwände betrieben werden müssen um eine Insel am laufen zu halten. Und da alles auf die Fährverbindungen baut, ist man davon ziemlich abhängig, was aber niemanden groß zu beunruhigen scheint.

Mit den Gedanken sind wir mittlerweile schon immer wieder mal bei unserer nächsten Station in Deutschland, wo wir bei meiner Mutter im Haus das Erdgeschoss beziehen werden. Selbstverständlich werden wir dort eine wunderbare, besinnliche, weihnachtliche Quarantäne erleben, da freuen wir uns schon drauf. Ansonsten sind wir, wie ihr alle gespannt, was für tolle Ideen man sich von offizieller Seite noch so ausdenken kann um dieses Fest zu etwas ganz besonderem zu machen.

Ich wünsche euch eine gute Zeit,
Alles Liebe und bis zum nächsten Mal
Mirjam

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