Abreise aus Italien
In der letzten Woche unserer Zeit in Italien war es sehr ungemütlich draußen. Selbst wenn die Sonne geschienen hat, war es nicht angenehm und der Wind hat es sofort kalt gemacht.
Ich habe das unglaubliche Glück, dass mein Knie mir Schmerzen bereitet und ich nur humpelnd vorwärts komme. Weit bin ich nicht mehr gekommen in der letzten Zeit. Für die Heimreise löst das sehr gemischte Gefühle in mir aus, weil ich nicht weiß wie gut ich diesen Marathon meistern werde. Wir werden mindestens 7 mal umsteigen bis wir unseren Zielort erreicht haben.
Erster Reisetag
Frühmorgens um 6 Uhr hat uns der Wecker aus dem Bett geworfen, damit der Feinschliff fürs Packen noch gemacht werden konnte. Da wir nur mit Handgepäck reisen, war es ja doch recht übersichtlich, aber in 12 Wochen verteilt sich das alles dann trotzdem schön in der ganzen Wohnung. Auf 8 Uhr hatten wir das Taxi bestellt, ein straffer Zeitplan war einzuhalten. Der Abschied von Casa Papiro und Denise, unserer Gastgeberin war kurz und schmerzlos. Es hat uns gut gefallen, aber die bevorstehende Reise hat mich persönlich so eingenommen, dass mir jetzt beim Schreiben erst auffällt, dass ich gar nicht richtig zurückgeblickt habe. Richtig entspannen werde ich mich sowieso erst wenn das Ziel erreicht ist. Soweit sind wir aber noch nicht.
Das Taxi brachte uns wie erwartet zum Anleger, wo wir in das Schnellboot von Libertylines einzusteigen gedachten. Dominik ging auf Ticketjagt, als Einheimischer wirft man scheinbar sein Geld hin und bekommt ein Ticket. Der Ausländer muss jeden Namen und Geburtstag einzeln aufzählen. Obwohl alles auf einem Papier stand wurden unsere Namen sehr abenteuerlich. Dominique und Mirghen Most… mit Luna und Stella haben sie da komischerweise keine Probleme. Nun gut, trotz Pseudonym durften wir ungehindert das Schiff „Eduardo“ betreten. Luna hat die Fahrt leider wieder nicht gut überstanden, ohne Tüte kamen wir auch diesmal nicht aus. Es wundert mich aber auch nicht, der Motor ist ziemlich laut und hämmert im Turbogang ganz schön rum, da verliert man schon mal die Fassung.
Nach dem Schiff gab es einen kurzen und ereignislosen Bustransfer zum Bahnhof. Die Zugfahrt war auch recht entspannt, obwohl wir in Messina zum Umsteigen nur knapp 10 Minuten Zeit hatten. Der Zug war fast leer und Luna hat ihre Spielbereiche fröhlich ausgenutzt.
In Catania angekommen haben wir uns auf die Suche nach unserem Hotel gemacht. Wir wussten, es liegt direkt links neben dem Bahnhof. Das am wenigsten vertrauenerweckende Gebäude befand sich gefährlich nah an dem vermuteten Punkt. Ein Döner Laden reihte sich an den nächsten und es liefen reichlich komische Gestalten herum. Frauen sieht man keine, nur viele Männer mit offensichtlich afrikanischem Migrationshintergrund. Ein winziges Schild deutet auf das bed & breakfast „harmony rooms“ hin. Juhu, hier muss es sein. Soll es hinter dieser verschlossenen Gittertür ein Hotel geben? Es sieht eher aus als solle besser niemand das Gebäude betreten. Aha, es gibt eine Klingel, man nennt uns den 6. Stock und lässt uns per Summer herein. Peng, da fällt hinter uns die Türe zu, vor uns, Düsternis. 6. Stock, und es gibt tatsächlich einen (winzigen) Aufzug. In der Regel laufe ich freiwillig 12 Stockwerke, wenn ich sowas aufzugmäßiges umgehen kann, aber heute hab ich mich überwunden und wir sind durchaus gut oben angekommen. Wir wurden sehr freundlich begrüßt, von einem Italiener der sehr gut Englisch sprach, eine Wohltat. Den Eingangsbereich konnte man beim Anblick des Zimmers gleich wieder vergessen, es war keine schlechte Wahl. Der Blick hinaus verspricht eine Stadt voller hässlicher Bauten. Leider werden wir Catania und seine wahre Schönheit wohl nicht erkunden können in der kurzen Zeit. Auf dieses Viertel hier konnte uns nicht mal die Welritzstraße vorbereiten.
Zweiter Reisetag
Nach einer recht ruhigen Nacht sind wir am nächsten Tag gegen 14 Uhr Richtung Flughafen aufgebrochen. Es regnete in Strömen und jede Kreuzung verwandelte sich in einen See. Trockenen Fußes war hier kein Weiterkommen möglich. Bis wir den richtige
n Bussteig mit dem Airportshuttle gefunden hatten verging einiges an Zeit und Nerven. Auf dem Weg sprach uns einer an, ob wir gefahren werden wollen, also er sei ein Taxi. Das Auto war hinten mit Tesa nach einem Unfall zusammengeklebt worden und es gab auch kein einziges Taxischild an dem Fahrzeug. Ich sagte nur, Da steig ich nicht ein! Und das war auch gut so, denn kurz darauf hatten wir unseren Bus gefunden.
Der Transfer zum Flughafen verlief gut, Luna hatte keine Anzeichen von Übelkeit, nur ganz am Ende musste er in einem Kreisel einmal ganz rum, da wollte sie lieber aussteigen.
Am Flughafen wurden wir beim Betreten des Gebäudes gleich mit einem Thermoscan ausgekundschaftet und durften problemlos passieren. Der Flughafen in Catania machte einen guten und übersichtlichen Eindruck, es waren einige Leute unterwegs. Die meisten Flüge waren innerhalb von Italien, nur 3 Auslandsflüge inklusive unserem Lufthansa Flug nach Frankfurt. Die Sicherheitskontrolle verlief gut, wir wurden als Familie vorgelassen, so gings schnell.
Mit Sitzgelegenheiten haben die das da allerdings nicht so, zum Glück haben wir trotzdem eine Ecke gefunden in der wir die eine Stunde bis zum Boarding warten konnten.
Mit uns waren vielleicht 40 bis 50 Menschen in dem Flugzeug, also hatte jeder sehr großen Abstand zueinander, mehrere Reihen vor, hinter und neben uns waren frei.
Der Flug war gemischt okay für uns. Die Uhrzeit mit 18 Uhr war nicht optimal, draußen war es schon dunkel, die Kinder hatten kein Bock mehr. Unsere Hoffnung, dass beide einfach schlafen hat sich nicht bewahrheitet. Stella mag mittlerweile überhaupt nicht mehr ruhig auf dem Schoß sitzen, sie windet sich die ganze Zeit heraus und hatte großes Interesse daran den Flyer mit den Sicherheitshinweisen anzuknabbern. Luna hat ganz gut mitgemacht, das Lufthansa Stickerheft hat sie eine Weile bei Laune gehalten und der Keks und Apfelsaft kam auch im richtigen Moment. Eine viertel Stunde vor der Landung war dann die Stimmung am Boden, beide Kinder wollten auf meinem Schoß sein und haben synchron geweint. Ich habe (in die Maske hinein) „Guten Abend gut Nacht“ gesungen, in Dauerschleife bis wir den Boden berührt haben. Irgendwann hat es gewirkt und beide waren zumindest ruhig bzw. Luna ist eingeschlafen.
Dem Gefühl nach waren wir die einzigen Deutschen, sonst nur Italiener an Board. Witzigerweise wurden die deutschen und englischen Durchsagen somit eigentlich nicht verstanden und natürlich sind nach der Landung sofort alle wie irre aufgesprungen, obwohl man ja Coronabedingt eigentlich Reihe für Reihe ordentlich und nacheinander das Flugzeug verlassen soll. Durch die geringe Anzahl an Passagieren war es nicht ganz so tragisch, allerdings waren die alle so schnell draußen, dass wir plötzlich die letzten waren und beinahe herausgekehrt wurden. Luna wollte nicht recht aufwachen, daher habe ich sie irgendwie aus dem Flugzeug getragen und sie war dann im Gang wieder soweit anwesend, dass sie laufen konnte. Dominik hatte Stella im Tragetuch und war mit unseren Rucksäcken voll bepackt. Ich hatte die Wickeltasche und Laptoptasche umgehängt, hätte aber Luna nicht tragen können, weil das mein Knie nicht mitgemacht hat.
Ziemlich müde und erledigt haben wir uns bis zum S-Bahnhof durchgekämpft, man merkt sofort den Unterschied der Distanzen zu dem Flughafen in Catania. Zum Glück war unser Gate das aller erste, A14, besser hätten wir es nicht treffen können. Mit der S-Bahn ging es dann nach Wiesbaden, wo wir mit dem Auto abgeholt wurden. Im Auto ging es dann auf den letzten Metern Luna nochmal schlecht, ohne geeignetes Mittel gegen Reisekrankheit brauchen wir kein Fahrzeug mehr zu betreten, das haben wir gelernt.
Glücklich und sehr erschöpft sind wir in Georgenborn angekommen, wo wir uns jetzt erstmal keinen Meter mehr bewegen werden.

Ich wünsche euch allen eine gute Zeit,
Eure Mirghen 🙂