Teneriffa – Level 1 abgeschlossen
Heute war der letzte Tag in unserem ersten Teneriffa-Zuhause. Vier Wochen sind schnell vergangen – eine Zeit nach der wir schon fast das Gefühl haben ewig hier zu sein. Von unserem Domizil hatte ich ja bereits berichtet, die Anlage „El Chaparral“ ist uns am Ende vertraut und irgendwie ans Herz gewachsen. Nach einiger Zeit kennt man ein paar der anderen Bewohner, alleine auf unserem „Flur“ gibt es zum Beispiel mindestens 3 Katzen-Ladies, von denen eine sogar ein bisschen Deutsch spricht. Generell gibt es auffällig viele Katzen hier auf dem Gelände. Neulich gab es mitten in der Nacht vor unserer Haustür einen lautstarken Kampf, zum Glück waren morgens davon keine Spuren zu sehen…
Ferienwohnungen haben es ja in der Regel an sich eher minimalistisch oder zumindest zweckmäßig eingerichtet zu sein. Mir ist aufgefallen, dass sich hier kaum Schrift befindet, also durch Abwesenheit eines gefüllten Bücherregals zum Beispiel, und dass sich der Geist dort ganz gut entspannen kann, ohne ständig etwas lesen zu müssen. Das einzige, was wir hier haben ist ein Bild von einem alten Flugzeug mit der Zahl „1234“ auf den Tragflächen. Jedes Mal wenn mein Blick dieses Bild streift denkt mein Kopf „einszweidreivier“ und ich kann es nicht verhindern. Es ist schon etwas seltsam, denn diese Information bringt mir rein gar nichts. Manchmal überlege ich mir ob es tatsächlich das Flugzeug mit der Nummer eintausendzweihundervierunddreißig ist, oder die Zahlen so in ihrer Anordnung dort stehen um mich zu ärgern. Denn ohne dieses wäre es noch viel ruhiger hier gewesen.
Mittlerweile hatten wir auch mal einen Regentag, ich dachte es käme öfter vor im Winter, aber es wurde wohl die letzten Jahre immer weniger. In den Bergen hängen allerdings öfter Wolken, vielleicht regnet es dann dort auch mehr. Hier unten an der Küste kam jedenfalls nicht viel von dem Regen an.
Einheimischen ist es scheinbar etwas kühl im Winter, wir lassen uns aber nicht davon abbringen stets im T-Shirt und überwiegend barfuß das Haus zu verlassen. Richtig gefroren habe ich hier auf jeden Fall bis jetzt nicht, und das genieße ich sehr.
Letzte Woche haben wir uns an den Aufstieg eines kleinen Berges gemacht, der direkt am Meer liegt – „Montaña Amarilla“. Von unten sah es so aus, als ob man einfach den Pfad hinauf geht und auf der anderen Seite wieder hinunter, um dann am Wasser entlang zum Ausgangspunkt zurückzukehren. Das Baby im Tragetuch bei Dominik, Luna tapfer zu Fuß, haben wir frohen Mutes den Pfad beschritten, um dann schnell festzustellen, dass es eigentlich kein richtiger Pfad war. Der Berg geht ungefähr in einem 45° Winkel nach oben und man läuft bzw klettert da, wo es einem machbar erscheint. Zwischendurch hatte ich richtig Panik, dass wir es nicht hoch schaffen, denn die Vorstellung, diesen Steilhang wieder zurück gehen zu müssen, war mir ein Graus. Gleichzeitig wussten wir natürlich nicht, ob es auf der anderen Seite überhaupt runter geht und wenn ja, wie es dort aussieht. Naja, da befindet man sich halt mittendrin mit zwei Kleinkindern und hofft, zum Sonnenuntergang wieder zu Hause zu sein. Jedenfalls haben wir es hinauf geschafft und auf der anderen Seite ging es in angenehmen Winkeln der Höhe des Meeresspiegels entgegen. Eine weitläufige Hügellandschaft breitete sich vor uns aus und wir legten definitiv mehr Wegstecke zurück als wir erwartet hatten. An einer Stelle wurde es plötzlich ganz still, und ich habe festgestellt, dass ich so etwas gar nicht kenne. Hier konnte man weder das Meer, noch irgendwelche Autos hören. Frieden pur.
Es waren nur wenige Menschen auf dem gleichen Weg anzutreffen, umso verstörender empfand ich es, dass vereinzelte mutterseelenallein mit ihrer Maske herumgetrottet sind. Aber gut, ich weiß ja nicht was sie dazu bewegt. Ich kann mich an solch einem abgelegenen Ort auf jeden Fall nicht dazu überwinden.
Wir sind übrigens lange vor dem Sonnenuntergang wieder wohlbehalten zu Hause angekommen.
Ich sende sonnige Grüße,
Alles Liebe,
Eure Mirjam
