Umsiedelung
Heute hatten wir mal wieder einen Reisetag. Der Vormittag war vom Packen geprägt, da wir erst um 13 Uhr das Appartement verlassen mussten hatten wir genug Zeit dafür. Ein bisschen mulmig wurde mir dann doch, auch wenn es nur in den ca. 30 Minuten entfernten Ort ging. Es wäre möglich gewesen mit drei verschiedenen Bussen des Öffentlichen Nahverkehs dorthin zu gelangen, aber aufgrund Lunas Reisekrankheit haben wir uns doch lieber für das Taxi entschieden. Mit 30 Euro blieb das aber einigermaßen im Rahmen. Beim Einsteigen beschlichen uns dann aber kurz Zweifel, denn es war nicht ganz einfach dem Taxifahrer unseren gewünschten Zielort klarzumachen. Er war zunächst verwirrt, da sich keine 100 Meter von uns eine Straße mit dem gleichen Namen befand und er meinte, da könnten wir doch hinlaufen. Es stellte sich heraus, dass er von dem Ort, an den wir wollten noch nie gehört hatte. Nach eingehender Suche über Google Maps wurden wir dann gemeinsam fündig, und es war ihm dann aber doch noch ein Bedürfnis uns darüber aufzuklären, dass wir am Flughafen VORBEI fahren würden. Nun gut, da wollten wir schließlich gar nicht hin. Der größte Teil der Fahrt ging über die Autobahn, was sehr angenehm war und auch Luna bei Laune gehalten hat. Nach der Ausfahrt wurde es dann abenteuerlich. Die Straße fuhr sich wie eine Achterbahn, hoch runter links rechts, alles war dabei. Luna wich sämtliche Farbe aus dem Gesicht, aber sie hat tapfer durchgehalten und die Notfalltüte haben wir nicht gebraucht. In dem Wissen, dass wir diese Straße noch mindestens einmal bei unserer Weiterreise in 7 Wochen zurücklegen müssen, kamen wir schließlich in dem kleinen Örtchen an. Um zwei Uhr Mittags war hier kein Laut zu hören, jeder war scheinbar bei der Siesta. Uns war sofort klar, dass wir im völligen Kontrastprogramm zu unserer letzten Unterkunft gelandet sind. Touristisch ist es hier sicher nicht, es scheint alles authentisch zu sein.
Unser Haus war schnell gefunden, und wir wurden von unserem Gastgeber Freddy freundlich in Empfang genommen. Er und seine Familie bewohnen das Erdgeschoss, wir sind im ersten Stock untergebracht. Auf den zweiten Blick ist es dann tatsächlich so, dass Freddy in der Garage wohnt und wir das eigentliche Haus haben. Aufgrund der Sprachbarriere beschränkte sich unsere Kommunikation auf das Nötigste (aber dank Google translate dennoch erfolgreich). Dennoch würde uns interessieren, ob sie sich auf diese Weise das Haus leisten können bzw. den Kredit abbezahlen, mit dem Ziel irgendwann einmal selbst hier zu wohnen.
Die Wohnräume befinden sich alle in der ersten Etage und dadurch fühlt es sich eher wie eine Wohnung an. Absoluter Bonus ist die Dachterrasse, mit Blick auf das Meer Richtung Osten und Gran Canaria am Horizont. Die Berge haben sich heute in den den Wolken versteckt, ich bin gespannt ob wir auch von hier aus die 3700m hohe Spitze des Vulkans Teide sehen können, deren Anblick in „Costa del Silencio“ oft mein Herz erfreut hat.
Die Wohnung ist sehr liebevoll eingerichtet, es fehlt an nichts und von kargem Pragmatismus ist sie weit entfernt. Das einzige was mir gleich etwas negativ aufgefallen ist, war eine unglückliche Akkustik, durch die es sehr hallt und bei zwei kleinen Kindern eine wahre Freude bei mir ausgelöst hat. Ich denke man gewöhnt sich daran, nur ist es erstmal ungewohnt. Ich fürchtete zunächst, dass wir vielleicht negativ mit unserem Krach auffallen könnten, als aber um 17h die beiden Kinder unseres Gastgebern aus Schule und Kindergarten nach Hause kamen, wurde schnell klar, dass wir uns hier auf Augenhöhe begegen.
Ein weiteres Highlight hatten wir noch an diesem ersten Tag. Die Frage, wo wir unsere Lebensmittel herbekommen spielt bei der Auswahl unserer Unterkunft eine große Rolle. Ohne Auto sind die Möglichkeiten sehr begrenzt, auf den Bus angewiesen zu sein ist für uns auch keine Option. Wir wussten also, dass es in dem Ort einen kleinen Mini-Supermarkt gibt und haben diesen auch gleich aufgesucht. Allein auf dem Weg dorthin haben wir das halbe Dorf kennengelernt, die Siesta war schließlich vorbei.
Wir fallen sowieso auf wie bunte Hunde und das Dorf-Feeling ist nochmal größer als in Italien auf Lipari. Jedenfalls ist der Supermarkt ein richtiger Tante Emma Laden und hat durch Corona auch überhaupt gar nichts mit Selbstbedienung oder „wir schauen uns nur mal um“ oder so zu tun. Nein, an der Türe gibt es eine behelfsmäßige Theke mit einer sehr freundlichen, kein Wort Englisch sprechenden Tante Emma. Juhu, jetzt hat man schon nicht so recht einen Plan was man eigentlich braucht bzw was es gibt und dann darf man sich auch noch Artikel für Artikel durchfragen. Es hilft ja nichts, wir haben kein Essen im Haus. Wir haben es also tatsächlich geschafft 10 Euro dort auszugehen und mit Essbarem heimzukehren. Für den einen oder anderen Reiseerfahrenen mag das vielleicht nicht ganz einleuchtend sein, aber wir sind es als Stadtkinder gewohnt im Supermarkt die gewünschten Dinge auf das Band zu legen und kein Wort sagen zu müssen. Ich denke es ist eine interessante Erfahrung für uns, daran können wir jetzt wachsen und werden ganz nebenbei noch gezwungen Spanisch zu sprechen.
In den nächsten Tagen werden wir uns erstmal orientieren und eingewöhnen.
Viele liebe Grüße!
Eure Mirjam
