Das Meer im Blick
Unsere erste Woche im zweiten Teneriffa-Zuhause ist schon vorbei, es ging wie im Flug. Trotzdem haben wir schon wieder das Gefühl schon ewig hier zu sein.
Die Wohnung ist fast schon ein bisschen zu groß für uns, das zweite Schlafzimmer nutzen wir nicht, und generell sind in einem Haus die Laufwege viel zu lang für mein Empfinden. Wir kommen definitiv mit weniger Platz aus, die vorherige Wohnung war in diesem Punkt passend, um perfekt zu sein hätten wir nur noch einen Garten oder eine schöne Terrasse gebraucht.
Unsere jetztige Dachterrasse ist wunderbar, das Meer ist in Sichtweite und auch die Berge, die Sonne scheint den ganzen Tag bis 17 Uhr dorthin und es gibt sogar einen überdachten Teil, wodurch man jederzeit den Schatten aufsuchen kann ohne gleich wieder die Treppe hinunter nehmen zu müssen. An sehr windigen Tagen ist es allerdings nicht so gemütlich, aber auch sonst sind wir jetzt nicht ununterbrochen dort oben.
An die Akkustik des Hauses kann ich mich nur schwer gewöhnen, jeder Gegenstand der runterfällt gibt ein Echo im Treppenhaus wieder, das zum Wohnbereich offen ist. Wenn man sich an die Szene aus „Herr der Ringe“ erinnert, wo in den Mienen von Moria das Skelett in den Brunnen fällt, dann hat man so ungefähr mein Gefühl dazu. Alternativ kann man sich auch vorstellen in einer großen Kirche zu sein und das Gesangsbuch fällt einem runter während es mucksmäuschenstill ist. Es ist fast unmöglich sich hier zu unterhalten wenn nebenbei die Kinder oder man selbst irgendwelche Geräusche macht. Obwohl man generell nicht viele tiefgehende Gespräche führen kann, wenn zwei Kleinkinder um einen herumtollen.
Unsere Einkaufssituation hat sich als nicht so dramatisch herausgestellt wie wir zuerst befürchtet haben. Nachdem wir beim ersten Mal erstmal den Kulturschock verarbeiten mussten, sind wir am nächsten Tag mit einer Einkaufsliste auf Spanisch dort angetreten. Da wir alle unsere Vorräte hier auffüllen müssen, war es auch nicht wenig. Fest steht, die Frau wird alleine durch uns in den sieben Wochen einen ungewöhnlich hohen Umsatz machen. Ich glaube schon, dass sie viele Kunden aus dem Ort hat, denn bei jedem unserer Einkäufe bildet sich irgendwann eine kleine Schlange hinter uns, aber die meisten Kunden kaufen dort nur ein Brot oder ein bisschen etwas, was sie auf die Schnelle brauchen. Wahrscheinlich fährt jeder für seinen „richtigen“ Einkauf mit dem Auto zum nächsten Supermarkt.
Auf Google Maps hatten wir gesehen, dass es im Nachbarort ebenfalls einen Minimarkt gibt, der allerdings eine sehr schlechte Bewertung hatte und als zwielichtig bezeichnet wurde. Erstmal hat es uns tatsächlich abgeschreckt, dann haben wir bei einem Spaziergang dorthin meinen Zwielichts-Beauftragten auf Erkundungstour geschickt und siehe da, es gibt dort keine Coronatheke an der Tür, man kann sich selbst bedienen und in Ruhe alles anschauen, dabei sieht man logischerweise auch den Preis und obendrein spricht die gar nette Verkäuferin auch noch etwas Englisch. Dieser Laden hat alle unsere Erwartungen erfüllt und somit wird er in Zukunft auch eine gute Bewertung auf Google Maps haben. Deshalb werden wir natürlich trotzdem nicht aufhören zu unserer Tante-Emma zu gehen, schon allein weil der Weg viel kürzer ist. Aber ich muss sagen, obwohl ich jetzt schon einige Monate regelmäßig auf der App Duolingo Spanisch lerne ist die Hemmung etwas zu sagen sehr groß. Ich sehne mich danach einfach auf Englisch zu sprechen, das würde so viel tausendmal besser funktionieren für mich. Die Einkaufsliste vorzulesen klappt zum Glück ganz gut, der Rest mit Zeichensprache und sì & no. Ich müsste mich zu Hause intensiver damit beschäftigen oder zumindest vorbereiten, komme aber irgendwie nie richtig dazu. Mit der Zeit wird es hoffentlich besser, ich kann jetzt auf jeden Fall besser verstehen, wie es sich wohl anfühlen mag wenn man nach Deutschland kommt und viel mehr als „ich nix Deutsch“ kommt einem nicht über die Lippen.
Die Bananen sind hier übrigens sehr gut, sie sind sogar regional, denn sie werden auf der Insel angebaut.
Als größte Attraktion an unserem Wohnort wäre auf jeden Fall das Naturschwimmbecken zu erwähnen. Hierzu wurde in einer kleinen Bucht durch eine Mauer das offene Meer zum Strand hin abgetrennt, sodass die wilden Wellen dort draußen gebrochen werden und innerhalb der Mauer das Wasser still ist. Durch ein Loch in der Mauer kann das Wasser bei Ebbe abfließen und somit hat man die Gezeiten trotzdem inklusive und das Wasser wird automatisch jeden Tag „frisch“ aufgefüllt. Das macht es besonders für Familien mit Kindern attraktiv, weil man an der Küste im offenen Meer eigentlich nicht baden kann. Es gibt natürlich immer Menschen, die es trotzdem machen, aber mir reicht es schon zu sehen wie die Wellen gegen die Felsen schlagen.
Generell ist es hier an der Ostküste etwas kühler als in unserem vorherigen Ort an der Südspitze. Ich weiß nicht genau woran es liegt, vielleicht schützen die Berge den Süden noch einmal anders vor dem Wind, der mitunter recht stark weht hier. In unmittelbarer Nähe des Ortes gibt es Windkraftanlagen, die sich das wenigstens zunutze machen. Obwohl hier die Sonne sehr viel scheint gibt es im Gegenzug eher wenig Solarzellen auf den Dächern, aber vielleicht befindet sich das alles auch erst im Umbruch. Mich hatte es gewundert, denn in Italien wurde unser Wasser bei gutem Wetter selbst bei nur 3 Stunden Wintersonne warm genug und das hätte man hier ja auf jeden Fall.
Wettertechnisch hatten wir in den letzten drei Tagen einen Sandsturm von Afrika, der die Sicht getrübt hat und alles mit einer leichten Staubschicht überzogen hat. Die Morgensonne sah durch den Dunst aus wie der Mond. Heute war der erste Tag, an dem man das Blau des Himmels mal wieder sehen konnte.
Alles Liebe und viele Grüße,
Eure Mirjam
