7 Kilometer Richtung Norden
Unsere letzte Woche in „La Listada“ ging schnell vorbei. Am letzten Tag hat uns der Wind fast vom Strand gefegt, das hat den Abschied ein bisschen leichter gemacht.
Zum Auftakt unseres heutigen Reisetages haben wir gestern den Kindern erklärt, dass es wieder weitergeht. Luna wollte daraufhin sofort ihren Koffer packen und auch sofort zur neuen Wohnung marschieren. Mit einiger Überzeugungsarbeit konnten wir uns schließlich darauf einigen, dass wir doch erst nochmal in der alten Wohnung übernachten müssen, weil die neue noch nicht für uns bereit ist.
Unser heutiges Ziel lag nur sieben Kilometer weiter, in der übernächsten Ortschaft. Ganz zu Anfang und mehr im Scherz, hatten wir schon überlegt, ob wir das nicht einfach hinlaufen sollen. Möglich wäre es schon gewesen, man hätte zwischen steinigen Pfaden oder der Autostraße wählen können. Ich wusste nur, wenn die Kinder nicht gut drauf sind wir das zur Mission Impossible. So blieben die beiden Optionen Taxi oder Bus übrig. Nachdem man in einer Taxi-App unseren Ort nicht auswählen konnte („dieser Punkt kann momentan noch nicht angefahren werden…“) und der Bus, der alle Ortschaften abklappert, nur um 7:30 und um 16:00 Uhr fährt. Kamen wir auf die grandiose Idee, wir könnten bis zur Autobahn laufen und dort in den Bus 111 einsteigen, der auf Teneriffa die Autobahn hoch und runter fährt und an sämtlichen Tankstellen und Ausfahrten anhält. Um dem Motto „Mast be crazy“ gerecht zu werden haben wir uns natürlich für die letzte Variante entschieden. Selbstverständlich hätten wir auch ein Taxiunternehmen anrufen können, aber das wäre ja langweilig gewesen.
Der Vormittag war nun geprägt davon zu versuchen, die Wohnung wieder in den Zustand zu versetzen, in den wir sie vorgefunden haben. Es war mir nicht möglich alle Dekoartikel wieder an den ursprünglichen Ort zu stellen, ich hatte keine Ahnung mehr wo was hingehörte.
Mit Sack und Pack haben wir uns dann auf den Weg gemacht. Stella im Tragetuch bei mir, Luna zu Fuß samt ihrem Koffer unterwegs, jeder von uns Erwachsenen mit einem großen Rucksack bepackt, Laptoptasche, kleinem Rucksack und Teddybär. Einen Kilometer mussten wir auf der Straße laufen, dann noch ein bisschen Offroad durchs Gelände, bis wir an der Tankstelle mit unserer Bushaltestelle ankamen. Auf der Straße haben einige Autos angehalten, die uns freundlicherweise mitnehmen wollten. Aber wir blieben stur und sind gelaufen. Natürlich auch nicht zuletzt deshalb, weil ich Lunas Zeit in einem Fahrzeug möglichst kurz halten wollte, kurvige Straßen zu laufen macht ihr nämlich überhaupt nichts aus.
Der einzige Unsicherheitsfaktor bei der ganzen Sache war, dass man für den öffentlichen Bus auf Teneriffa eine spezielle Karte braucht, die man mit einem Guthaben aufladen und beim Einsteigen nur hinhalten muss. Diese Karte hatten wir zwar, weil wir im Januar ja schon mit dem Bus vom Flughafen gefahren waren, aber das Guthaben war nur noch bei ca. 40 Cent. Im Internet kann man die Karte aufladen, aber nur wenn man nach der Registrierung einmal an einem Automaten aufgeladen hat, wozu wir keine Möglichkeit hatten. Unsere Hoffnung war jetzt also, dass es an der Tankstelle einen Automaten gibt, oder wir den Busfahrer mit Bargeld bestechen können uns trotzdem mitzunehmen. An der Tankstelle bekam ich die Auskunft, dass es an der nächsten Tankstelle geht, aber nicht an dieser. Ja klar, kein Problem, lauf ich halt dahin. Beinahe wäre also unser Anfangsszenario eingetreten, denn die nächste Tankstelle war unsere gewünschte Endhaltestelle. Wir haben dann aber beschlossen, das mit der Bestechung zuerst zu versuchen, bevor wir durch die Prärie wandern. Dazu muss man an der Haltestelle einen Knopf drücken, damit der Busfahrer darüber informiert wird, dass jemand mitfahren möchte. Tut man das nicht, sieht man seinen Bus mit ca. 100 kmh an sich vorbeirasen. Bestechung war dann doch nicht nötig, ich konnte diese famose Karte tatsächlich auch beim Fahrer aufladen. Mit 2,90€ war das definitiv unser günstigster Transfer bisher. Nach 5 Minuten Autobahnraserei waren wir schon am Ziel. Luna hatte gar keine Zeit sich zu überlegen ob ihr schlecht werden soll, und bei striktem Geradeausfahren passiert eigentlich auch nichts bei ihr. Ich muss sagen, da wir In unsrem Alltag nur zu Fuß unterwegs sind, ist das Gefühl in einem Fahrzeug zu fahren ein bisschen beängstigend. Stella hatte auf jeden Fall Angst, sie hat sich an mich gedrückt und sich festgeklamnert. Es wundert mich aber auch nicht, die Anzahl der Autofahrten in ihrem Leben bekomme ich wahrscheinlich an zwei Händen zusammen.
Unser neuer Wohnort „Casablanca“ grenzt direkt an die Autobahn, sodass wir hier bequem auf dem Bürgersteig zu unserer Unterkunft marschieren konnten.
Die neue Wohnung befindet sich in einem Gebäudekomplex und es handelt sich wieder um einen Schuhkarton. Diesmal haben wir vorne und hintenraus einen eigenen Außenbereich. Hinten eine Art Hinterhof zum Wascheaufhängen, vorne zur Straße hin eine Terasse, mit direktem Blick aufs Meer. Ich kann sogar vom Esstisch in der Küche aus das Meer sehen, das ist ein schönes Gefühl.
Die Wohnung hat alles, was man braucht, der Standard ist nicht so hoch, was ich allerdings begrüße weil es mir persönlich nicht so viel Spaß macht am laufenden Band perfekt hergerichtete Wohnungen vor neugierigen und klebrigen Kinderhänden zu bewahren. Natürlich geht man trotzdem respektvoll mit den Dingen um, aber es tut gut zu sehen, dass die Wand schon vorher Macken hatte. Im Schlafzimmer haben wir wieder unser Familienbett hergerichtet, es passt glücklicherweise wieder von Wand zu Wand perfekt rein. In der Wohnung haben wir uns gleich wohlgefühlt, durch die Terrassentüren kommt das Licht freundlich rein.
Der Supermarkt ist fast um die Ecke, er war unser erstes Ziel. Es gibt dort eine gute Auswahl, ich denke wir werden damit zurecht kommen.
Grundsätzlich fällt es auf, dass hier ziemlich viele Menschen unterwegs sind. In La Listada hat man auf der Straße meistens eher weniger Leute gesehen. Es kann aber auch daran liegen, dass wir direkt am Meer wohnen, und viele Leute in den Osterferien zum Baden herkommen, die Badestelle liegt wohl in unmittelbarer Nähe. Heute war dazu noch ein windstiller Tag, also richtig heiß.
Für mich ist es etwas schwer zu verkraften, weil mehr Menschen bedeuten, dass ich überall mit Maske rumrennen muss, und das mag ich einfach überhaupt nicht. Mal sehen, wie es nach den Osterferien aussieht.
Mit erschöpften Grüßen von Teneriffa,
Eure Mirjam

