Der Palmenwedel muss mit

Der Palmenwedel muss mit

Am Abend vor unserer Weiterreise herrschte eine komische Stimmung, die Kinder spürten die Aufregung und wir Erwachsene rannten durch die Wohnung und versuchten schon mal dies und das herzurichten und wieder an den ursprünglichen Platz zu räumen. Es macht natürlich unglaublich viel Spaß wenn Mama versucht Malereien auf Tischen oder dem Kühlschrank zu entfernen und hinter ihrem Rücken neue prächtige Gemälde entstehen.

Nach einer ruhigen Nacht sind wir dann in unseren Reisetag gestartet. Obwohl wir jetzt schon 210 Tage unterwegs sind, ist das erst unser siebter „echter“ Reisetag.
Da wir in der nächste Unterkunft erst ab 14 Uhr einchecken konnten, waren wir noch den halben Tag in der alten Wohnung. Als Dominik vor ein paar Tagen die Vermieterin bzgl. der Schlüsselübergabe anschrieb, war diese ganz überrascht und wusste gar nicht genau wann das nochmal war. Wenn wir hier einfach noch länger geblieben wären, hätte sie es wohl erst gemerkt, wenn jemand neues einziehen wollte. Anderseits mussten wir so dann auch nicht um 11 Uhr raus und konnten den Mittagschlaf von Stella noch abwarten, bevor wir losgezogen sind.

Den Vormittag zu füllen war dann gar nicht so leicht. Wenn Luna weiß es geht bald los, dann kann sie es kaum erwarten und steht praktisch mit gepacktem Koffer an der Eingangstür. Die Betten und sonstigen Möbel wieder an den Stammplatz zu stellen war dann auch kein morgenfüllendes Programm, sodass auch meine Nervosität immer weiter stieg. Ich mag es dann doch lieber wenn morgens vielleicht ein bisschen Stress herrscht, man dann aber auch loskommt.

Interessanterweise ist es egal, wie lange wir in einer Unterkunft sind, ein ungeschriebenes Gesetz sagt, dass in den letzten Tagen immer etwas kaputt geht. Ich konnte es nicht fassen als Luna wenige Stunden vor unserem Aufbruch auf dem Sofa herumtobte und plötzlich ganz still wurde und nach unten sah. Ein guter Grund für meine Alarmglocken, mit Stella auf dem Arm war ich aber nicht schnell genug und so ging ein Teil vom Pipi auf die Sofakissen. Eigentlich will ich bei soetwas generell nicht schimpfen, es ist ja keine Absicht ihrerseits, aber in der Situation hab ich mich dann doch ziemlich aufgeregt. Arme Luna…
Zum Glück konnte man die Kissen abwaschen und in der Sonne war dann auch alles wieder getrocknet als wir uns auf den Weg machen wollten.

Unter den Schätzen, die wir vom täglichen Strandausflug mitgebracht haben war unter anderem auch ein Palmenwedel. Luna war der Meinung, der muss mit. Alle Überredungskunst war vergeblich, auch die Tatsache, dass wir überall so einen wiederfinden können hat nicht gereicht. Okay, dann kommt er halt mit, meine einzige Bedingung war, sie musste ihn selbst transportieren.

Nach Stellas Mittagschlaf verließen wir dann pünktlich um 13 Uhr die Wohnung. Die Schlüsselübergabe war lediglich ein Abschließen und den Schlüssel unter der Tür durchschieben. Am Ende war es unser Glück dass es nicht der Briefkasten war, denn wir haben es tatsächlich geschafft beide unsere geliebten Masken am Haken in der Wohnung hängen zu lassen. Zum Glück ist es uns recht schnell aufgefallen, sodass Dominik Luna über den Zaun heben konnte, damit sie den roten Knopf für das Tor zur Anlage drücken konnte und dann hat auch diese Aktion gut geklappt.

Zu Fuß und schwer bepackt ging es dann in der Mittagssonne zur Bushaltestelle an der Autobahn. Der Weg führte nur bergauf, war aber nicht weit. Die Bushaltestelle befand sich tatsächlich auf dem Seitenstreifen der Autobahn, sodass die Autos hier mit sehr hohen Geschwindigkeiten vorbeisausen. Sieben Minuten später kam der Bus dann und wir haben alles Gepäck inklusive Palmenwedel unten im Fahrzeug verstaut.

Die Fahrt ging wieder Richtung Norden, diesmal ein bisschen länger als das letzte Mal, obwohl 5 Minuten wirklich kaum noch zu unterbieten sind. Wir fuhren bis kurz vor Santa Cruz, der Hauptstadt von Teneriffa und den Kanarischen Inseln.

Aufgrund von Lunas Reiseübelkeit waren wir Eltern entsprechend unentspannt, denn auch wenn die Autobahn das Beste ist, so bremst der Bus doch an jeder Haltestelle stark ab und einmal musste er auch noch durch einen Kreisel kurven. Solange sie spricht und erzählt was sie sieht ist alles gut, wenn sie ruhig wird muss die Tüte raus. Die 25 Minuten haben wir ohne Zwischenfall überstanden, ich denke es war gut, dass es nicht viel länger ging. Auch Stella auf dem Schoß zu halten war eine Herausforderung, sie würde am liebsten durch das Fahrzeug rennen. Das einzige was ich bei 100 kmh ohne Anschnallgurt mit Kind auf dem Schoß machen will ist beten dass es schnell vorbei ist.

Diesmal liegt unsere Unterkunft auf der anderen Seite der Autobahn, also den Berg rauf anstatt Richtung Meer hinunter. Bei der Ankunft wurde mir schon gleich klar, dass wir das Meer so schnell nicht von nahem sehen werden, zumindest nicht so einfach wie zuvor. Die Bushaltestelle liegt schon weit oberhalb, circa 170 Meter über dem Meeresspiegel und unsere Unterkunft liegt nocheinmal 100 Meter höher.
Wir wussten schon vorher, dass wir fast 300 Meter hoch wohnen werden, aber irgendwie versucht man es sich schönzureden und hofft dass das gar nicht sooooo viel ist.
Naja, die 100 Höhenmeter von der Bushaltestelle zum Ziel waren auf jeden Fall ziemlich anstrengend, zumal es sich über einen Kilometer ersteckt hat. Beladen mit den Rucksäcken, Lunas Ziehkoffer, Stella im Tragetuch bei Dominik und dem Palmenwedel kämpften wir uns wieder in der Mittagssonne den Berg rauf. Es hätte auch die Möglichkeit gegeben einen Bus zu nehmen, aber bei den kurvigen Straßen laufe ich lieber 10km als meinem Kind das anzutun.

Am Ende haben wir es geschafft und sind in unserer kleinen Oase angekommen. Ein kleines Appartement mit Garten und Blick aufs Meer, ganz weit unten. Die Gastgeberin hat uns sehr herzlich empfangen, sie wohnt mit ihrer Familie im gleichen Haus. Sie haben nochmal einen eigenen Außenbereich, sodass wir unseren Teil für uns haben.

Im Garten steht ein kleines Spielhäuschen, sehr zum Entzücken von Luna. Die Kinder sind direkt nach der Ankunft erstmal darin verschwunden und so konnten auch wir uns gemütlich ausruhen.

Da wir in der letzten Wohnung alle Lebensmittel so gut wie aufgebraucht hatten und nichts mitschleppen wollten, wussten wir, dass ein Einkauf ansteht. Einen Supermarkt gibt es ganz in der Nähe, das ist ja für uns eine Grundvoraussetzung ohne Auto. Womit wir naiverweise nicht gerechnet hatten war, dass der evtl nicht täglich bis 20 Uhr geöffnet sein könnte. Um 15 Uhr waren wir angekommen und da schloss er dann auch laut Google stellten wir fest. Die Alternative ist der Dino-Supermarkt in der Nähe vom Strand. Say what??
Um mal wieder auf unser Motto Mast be crazy zurückzukommen, Dominik hat sich auf dann mit dem Rucksack auf den Weg gemacht. Runter gings schnell, aber zurück mehr als doppelt so lang. Ich hätte ja gedacht er kauft ein Päckchen Nudeln, Tomatensoße und eine Packung Toast fürs Frühstück oder so. Nein, auch hier getreu dem Motto wurde es ein Großeinkauf der den ganzen Berg hinaufgeschleppt werden wollte. Ich glaube Dominik hat es genossen alleine unterwegs zu sein und meine Argumente dagegen nicht hören zu müssen.
Im Nachhinein beschwere ich mich natürlich nicht, haben wir doch jetzt endlich wieder das Müsli was wir schon in Costa del Silencio gerne gegessen hatten und es nur beim Dino gibt.

So viel zu unserem Reisetag, wir kommen jetzt erstmal zu Sinnen und dann gibt es bald wieder ein Update zu unserer Wohnung und Umgebung.

Ganz viele liebe Grüße,
Eure Mirjam

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