Eingewöhnung
Nun sind wir schon eine Woche in unserem neuen Zuhause und fühlen uns sehr wohl.
Wir haben ein kleines Appartement mit einem Schlafzimmer, einem Wohnzimmer mit Küchenzeile und einem kleinen Bad. Im Schlafzimmer stand diesmal ein Kinderbett für Luna bereit, in dem sie auch tatsächlich schläft. Das einzige was wir in diesem Raum verändert haben war, das große Bett an die Wand zu schieben und das Kinderbett direkt daneben zu stellen. So kann niemand herunterfallen. Die Liegefläche von drei Metern aus der letzten Unterkunft in El Poris haben wir nicht, aber es geht auch mit weniger Platz.
Im Wohnzimmer haben wir den Esstisch unter das Fenster geschoben und somit eine freie Fläche gewonnen wo gespielt und getanzt werden kann. Die Möbel sind nicht die neusten, der Tisch und die Stühle wackeln ein bisschen. Die Küchenzeile ist nicht sehr groß, der Herd besteht nur aus zwei Platten, was uns aber völlig reicht. Es gibt einen Toaster und einen Minibackofen in dem wir sogar schon Pizza gemacht haben. Die Waschmaschine ist in einem Schrank versteckt, so stört sie mitten im Wohnzimmer nicht.
Das Bad ist klein, aber neu gemacht und gut. Unser warmes Wasser kommt von der Solaranlage auf dem Dach.
Das Appartement ist Teil eines größeren Hauses, das unseren Gastgebern gehört. Sie bewohnen mit ihren zwei Kindern, einem 14 jährigen Jungen und einem zweieinhalb jährigen Mädchen das Haupthaus. Unsere Eingangstüren liegen direkt nebeneinander, aber die andere Familie nutzt eigentlich immer den Eingang über das Garagentor, sodass wir uns nicht in die Quere kommen. Die Familie ist sympatisch und es ist das erste Mal, dass wir überhaupt größeren Kontakt zu den Gastgebern haben. Sie spricht auch einigermaßen gutes Englisch und mein Spanisch nimmt langsam tatsächlich Formen an. An einem Nachmittag haben wir zusammen mit den Kindern im Garten gesessen und uns unterhalten, das war schön.
Der Garten ist das Highlight der Unterkunft. Das Grundstück geht um das gesamte Haus und ist unterteilt, sodass wir unseren eigenen Bereich haben und die Gastgeber den ihren.
Es sind Büsche und Palmen entlang der Mauer gepflanzt, sodass wir viel grün um uns herum haben, was eigentlich nicht so normal ist für das Teneriffa was wir bisher kennengelernt haben. Die Bäume geben auch Schatten, da es in der Sonne dann doch nicht auszuhalten ist auf Dauer, sollte der Wind mal nicht kalt dagegen anwehen.
Die Strandfamilie in unserem letzten Wohnort hatte uns vor ihrer Abreise zurück nach Deutschland ihr Planschbecken geschenkt, was jetzt hier in unserem Garten täglich zum Einsatz kommt.
Überhaupt sind wir ziemlich verwöhnt, es gibt Spielzeugkisten, ein kleines Gartenäuschen und Fahrzeuge. Unsere eigenen Spielsachen schlummern teilweise noch im Koffer.
Tatsächlich verbringen wir jeden Tag im Garten und verlassen selten das Grundstück. In unserer Oase ist es aber auch am schönsten.
Die Umgebung stellt einen starken Kontrast dazu dar. Unser Haus steht am Hang, und es wurde so gelöst, dass wir von der Straße aus sozusagen auf das Dach schauen können. Das hat umgekehrt den Effekt, dass wir von innen nur auf die Mauer sehen und darüber direkt der Himmel beginnt und uns der Anblick der Straße erspart bleibt. Der ist nämlich tatsächlich sehr uncharmant, direkt gegenüber ist der Platz für die Müllcontainer und daneben ein verlassenes Gebäude was schon am zusammen fallen ist.
Die Straße an der wir wohnen ist stark befahren, es ist eine Landstraße die parallel und oberhalb zur Autobahn durch die Berge verläuft und genau hier durch unseren Ort führt. Es scheint eine beliebte Motorradstrecke zu sein, vor allem am Wochenende wird es immer mal laut.
Daran müssen wir uns erst wieder gewöhnen, die beiden letzten Unterkünfte waren viel ruhiger gelegen und das Meeresrauschen hat sowieso das meiste übertönt.
Dazu kommt dann noch, dass wir uns nach Italien zurückversetzt fühlen weil es hier an eingen Straßen keinen Bürgersteig gibt und das laufen von A nach B mit den Kindern so jetzt nicht gerade großen Spaß macht.
Zwei kleine Supermärkte haben wir in unserer Umgebung, hier bekommen wir fast alles was wir brauchen, auch wenn die Preise teilweise ziemlich hoch sind. Eine Apotheke gibt es ebenfalls ums Eck, auch wenn wir die hoffentlich nicht brauchen werden, bis auf meine Kontaktlinsenflüssigkeit die sie zum Glück da hatten. Ein paar Dinge auf die wir nicht verzichten wollen gibt es nur im Dino-Supermarkt, Dominik wird also ein- bis zweimal pro Woche die Höhenmeter für unser Allgemeinwohl überwinden.
Dass wir uns an einem Hang befinden merkt man sofort, wenn man einen Fuß vor die Tür setzt. Es gibt einige Spielplätze, entweder bergauf oder bergab. Am Ende ist es immer besser wenn wir nach dem Spielplatz wieder hinunter müssen und nicht hinauf, weil dann doch öfter mal auch Luna getragen werden muss. Die Autos rollen sehr dicht an uns vorbei und sind recht flott unterwegs.
Das Meer ist mittlerweile nur noch zu einer Kulisse geworden. Ich bin froh, dass ich den Anblick bis zum Horizont von unserer Terrasse aus noch genießen kann, aber wir sind so weit oben, dass es von hier so aussieht wie aus dem Flugzeug, wenn man meint die Wellen stehen still.
Ein Ausflug zum Strand steht noch aus und in den Sternen. Sollten wir es tatsächlich hinbekommen wird es sich um eine eher seltene Sache handeln.
Im Moment sind wir nicht traurig drum, unser Garten hält das, was wir uns von ihm versprochen haben.
Nach über einem Jahr ohne Schichtarbeit hat Dominik diese Woche die Nachtschicht übernommen. Um meine Freiheit wieder zu erlangen haben wir das Projekt „Abstillen“ gestartet. Tagsüber hat Stella schon fleißig gegessen, aber nachts wurde sie noch gestillt und vor allem das Einschlafen war damit ein Selbstläufer. Jetzt ist der Papa dran, das Einschlafen im Tragetuch klappt ja bereits für den Mittagschlaf ganz gut, und auch abends lässt sich diese Methode anwenden.
Das eine Jahr in dem Dominik von Anfang an permanent in Stellas Leben anwesend war zahlt sich aus, er kann sie auch nachts gut beruhigen. Bei Luna wäre das utopisch gewesen, bis heute lässt sie nur mich an sich ran wenn sie nachts aufwacht, was ja auch wieder nur das Ergebnis der Schichtarbeit war und zu einer gewissen Unzuverlässigkeit in ihren Augen geführt haben muss.
Meine wiedergewonnene Freiheit sollte ich lieber zum schlafen nutzen, stattdessen schreibe ich diesen Blog-Artikel. Naja, ehrlich gesagt habe ich fast jeden Artikel bis jetzt irgendwann zwischen Mitternacht und Morgengrauen geschrieben… Tagsüber brauche ich nicht zum Handy zu greifen, es gibt dann immer jemanden der es mir wegnimmt oder sofort meine Aufmerksamkeit braucht. Am entspanntesten bin ich wenn ich es einfach irgendwo hinlege und nicht beachte.
Jetzt wünsche ich euch alles Liebe,
Eure Mirjam

