In Santa Cruz de Tenerife
Vergangene Woche hatten wir plötzlich einen Anlass die Hauptstadt von Teneriffa aufzusuchen. Dominik war ein Stück vom Zahn abgebrochen und er musste zum Zahnarzt. Glücklicherweise gibt es hier auf Teneriffa deutschsprachige Ärzte und wir haben kurzfristig einen Termin bekommen. Da wir wenig aufregendes unternehmen zur Zeit, beschlossen wir alle zusammen in die Stadt zu fahren.
Mit dem Autobahnbus dauerte die Fahrt nur 10 Minuten bis zur Endstation mitten in der Innenstadt. Trotzdem war es für uns wie immer eine unsichere Sache. Luna hat die Fahrt aber gut überstanden, diesmal war es bei Stella schwierig, da sie bei der ungewohnten Geschwindigkeit Angst bekommen hat.
Nach langem Leben auf dem Dorf war das geschäftige Treiben in der Stadt fast ein kleiner Kulturschock. Die Kinder haben über die hohen Gebäude gestaunt und wir haben seit langem nicht so viele Menschen auf einmal gesehen.
Bei diesem Andrang war klar, hier müssen wir die Maske die ganze Zeit tragen, was bei dem warmen Wetter keinen Spaß gemacht hat. Alle Geschäfte hatten offen, bis auf die Masken sah eigentlich alles aus wie gewöhnlich.
In einem kleinen Park blieb ich mit den beiden Kindern auf einem Spielplatz, während Dominik zu seinem Zahnarzttermin ging. Dort machte er nur gute Erfahrungen, die Ärzte sprachen Englisch und Deutsch, sodass es hier nicht zu Missverständnissen kam. Am Ende gab es eine Rechnung, die wir versuchen bei unserer Krankenversicherung einzureichen.
Mit den Kindern für eine Stunde alleine in der Stadt zu sein, hat mich leicht in Stress verstetzt. Insgesamt habe ich es geschafft, dass niemand verloren ging, aber Stella hat den Drang ständig auszubüchsen und darf keine Sekunde aus meinem Blick verschwinden. Wenn sie merkt, dass ich ihr folge, dann legt sie immer noch einen Zahn zu und rennt mir davon. Wenn ich mir vorstelle, dass es ja eigentlich ganz normal ist, als Mutter mit zwei oder meheren Kindern alleine zu sein, komme ich mir schon ziemlich verwöhnt vor. Der beste Moment ist der, wenn ich es schaffe beide nebeneinander auf eine Bank zu setzen und etwas zu essen in die Hand zu drücken. Das gibt mir dann ungefähr fünf ungefährliche Minuten, zumal der Fütterungsgrad auch erheblich zur guten Laune beiträgt.
Unseren ursprünglichen Plan eventuell noch ein bisschen in der Stadt zu bleiben, haben wir nicht umgesetzt. Nachdem Dominik erfolgreich von seinem Termin wieder zu uns gekommen war, haben wir uns auf zu Hause gefreut. Ohne die Maskenpflicht hätten wir es uns wahrscheinlich noch schön machen können, aber unter diesen Umständen ist es nicht erfreulich gewesen. Essen gehen ist mit den beiden Rabauken auch nicht unbedingt erholsam, daher beschlossen wir gegen Mittag wieder nach Hause aufzubrechen.
Am Busbahnhof hatten wir wieder einmal damit zu kämpfen die Busfahrkarte aufzuladen, denn der Automat wollte weder unsere EC-Karte, noch unseren 50 Euro Schein. Am Informationsschalter war eine lange Schlange, aber schlussendlich blieb uns nichts anderes übrig, als uns dort anzustellen, da auch der Busfahrer unser Geld nicht wollte. Ich stand gemütlich an, während Dominik den Kindern über den Platz nachgejagt ist.
Die Heimfahrt war eine Tortur für alle Fahrgäste, da Stella beim betreten des Busses in Panik verfallen ist und 10 Minuten durchgebrüllt hat, in einer Art die ich von ihr nicht gewohnt bin. Scheinbar war sie völlig entsetzt von den Bewegungen, der Geschwindigkeit und den Geräuschen des Fahrzeugs. Ich hoffe, dass sie es besser versteht, wenn sie älter wird. Mir wird bei soetwas immer bewusst, wie selten gerade Stella in ihrem Leben überhaupt in einem Fahrzeug gesessen hat. Wenn wir als nächstes unseren Deutschlandbesuch haben, wird sie sich noch wundern. Da wird in drei Wochen mehr Action passieren, als im letzten halben Jahr zusammen, alleine wenn wir nur die Familie treffen.
Bei dem ganzen Gebrüll hat es Luna tatsächlich geschafft innerhalb der 10 Minuten Fahrt einzuschlafen. Als wir alle sehr erleichtert an unserer Haltestelle aussteigen konnten, lag dann zum krönenden Abschluss noch die Steigung zu unserem Haus vor uns. Luna hat sich in ihrem müden Zustand geweigert nur einen Schritt zu laufen und ich musste sie komplett tragen. Natürlich hatte ich das zweite Tragetuch nicht dabei, denn damit hatte ich nicht gerechnet. Letztendlich kamen wir dann zu der Erkenntnis, dass es bei einem steilen Berg am besten ist, wenn ich sie Huckepack auf dem Rücken trage.
Mir hat es wieder einmal bestätigt, dass mir alle Anstengungen zu viel sind mit den kleinen Kindern etwas erleben zu wollen. Außerdem wissen wir jetzt sicher, dass wir an Orten sein müssen, die ebenerdig sind um gut zu Fuß von A nach B zu kommen. Die Information, dass wir uns an einem Hang befinden hatten wir zwar, aber es in der Realität zu erleben ist dann noch einmal etwas anderes. Glücklicherweise kann man sich bei Google Maps auch immer die Höhenmeter anzeigen lassen, sodass wir in Zukunft darauf achten können. Ich kann mir vorstellen, dass wir möglicherweise mit einem Fahrrad eine gute Alternative zu Bus und Auto haben könnten, aber das wäre hier oben auch sinnlos gewesen. Auf der Straße, die an unserem Haus vorbei führt fahren zwar viele Rennradfahrer, aber die trainieren ja auch alle für die Tour de France.
Die letzten Tage haben wir das erste Mal so richtig heiße Sommertage erlebt, bei denen man dann froh ist über den Ventilator und die Tatsache, dass wir nirgends hin müssen.
Viele liebe Grüße,
Eure Mirjam

