¡Bienvenidos a México!
Drei Wochen lang haben wir einen Urlaub in Deutschland gemacht, wo wir viel Zeit mit meiner Familie verbracht haben, Freunde getroffen haben und einiges organisatorisches erledigen konnten. Zu der Zeit habe ich nichts geschrieben, weil ich nach unserem Leben im Exil teilweise etwas überfordert war mit dem geschäftigen Treiben um uns herum. Viele Fragen wurden gestellt, einige auch beantwortet, Diskussionen geführt und dann noch das Leben bei den Eltern im Haus, das war insgesamt schön, aber alle Beteiligten gingen ab und zu an ihre Grenzen.
Außerdem waren wir gedanklich und organisatorisch viel mit unserem nächsten Ziel Mexiko beschäftigt.
Ein bisschen mexikanische Luft durften wir bereits vor zwei Wochen schnuppern, als wir in Frankfurt das Konsulat besucht haben. Dort haben wir ein Langzeitvisum beantragt, um die Möglichkeit zu haben das normale Touristenvisum von 6 Monaten zu überschreiten.
Am Dienstag war es dann soweit, unser nächster Reisetag stand an!
Am Vortag waren wir mit Packen beschäftigt. Dieses Mal haben wir beschlossen zwei Gepäckstücke aufzugeben, da unsere kleine Tochter ebenfalls einen kleinen Trolley bekommen hat und wir somit die zulassigen Handgepäckstücke überschritten haben. Dies geschah aber mit dem Hintergrund, dass sie bei unserem nächsten Flug wahrscheinlich bereits zwei Jahre alt sein wird und dann einen eigenen Sitz bekommt, womit wir wieder in unserem Handgepäckrahmen landen. So konnten wir einiges an Spielsachen zusätzlich einpacken und mussten nicht alles auf die Goldwaage legen.
Als Luna erfahren hatte, dass es der letzte Tag war, wollte sie sofort los. Wir konnten sie dann aber davon überzeugen, dass es doch schöner ist im Bett zu schlafen als am Flughafen zu übernachten.
Pünktlich zum Morgendlichen Berufsverkehr ging es an unserem Reisetag los. Mein Vater brachte uns mit dem Auto zum Bahnhof in Wiesbaden, wo wir dann in die S-Bahn zur Flughafen eingestiegen sind. Luna hat die beiden Fahrten gut gemacht und Stella hat glücklicherweise ihre Panik vor den Verkehrsmitteln abgelegt und ist eine fröhliche Reisende geworden. Das Training in Deutschland hat sich gelohnt!
Am Frankfurter Flughafen waren wir dann so pünktlich, dass unser Flug noch nicht einmal auf der riesigen Anzeigetafel aufgeführt war. An den anderen Flügen konnten wir dann aber den Gepäckaufgabebereich für Condor ableiten und sind dann schonmal dahin gewandert. Der Flughafen war um neun Uhr morgens so belebt, wie man es aus früheren Zeiten kennt.
Unsere Große war nicht ganz davon überzeugt, dass es eine gute Idee sein könnte ihren Koffer aus den Augen zu lassen, aber am Ende hat sie uns vertraut, dass er auf einem anderen Weg zu unserem Flugzeug gelangt.
Durch die Sicherheitskontrolle kamen wir problemlos, mittlerweile haben wir es raus, wie man alles aufs Band legt um kein Aufsehen zu erregen, Stichwort Seife nicht im Rucksack lassen und so.
Die Grenzkontrolle hat es uns dann klargemacht: wir verlassen jetzt die EU. Bisher hatten wir uns mit Italien und Spanien nicht daraus wegbewegt.
Zu unserem Gate war es nicht weit und dass wir nicht in die große Maschine von Air Canada einsteigen würden war auch klar. Wir konnten also sehr gut beobachten, wie diese ihre Parkposition verlassen hat und unsere, für einen Langstreckenflug recht kleine Condor-Maschine kurz darauf dort einparkte.
Beim Boarding waren wir als Familie ganz vorne mit dabei, so mussten wir nicht lange warten und konnten gemütlich unsere Plätze finden. Das Flugzeug war eine Boeing 767-300 mit jeweils zwei Sitzplätzen am Fenster und drei in der Mitte. Wir hatten die drei mittleren zusammen, was ich als sehr angenehm empfand.
Obwohl das Flugzeug nur geringfügig größer war als unsere bisherigen Kurzstrecken-Flieger war ein bisschen mehr Platz zum Vordersitz und auch die Sitze waren bequemer.
Insgesamt haben wir eine gute Flugerfahrung gemacht. Teilweise hab ich auch vergessen dass wir fliegen, man war so mit dem Geschehen im Inneren beschäftigt. Das Essen war gut, gefallen hat mir, dass es grundsätzlich vegetarisch war und man da nicht irgendwie noch drauf achten musste. Bis auf ein paar ganz kleine Ruckler war es ein ruhiger Flug, und als 30 Minuten vor der Landung die Maschine in den Sinkflug ging, wurde es ganz still und nichts hat diesen Segelflug gestört. Wahrscheinlich war ich nach 11 Stunden Flug auch einfach nur im Delirium, das mag auch sein.
Die Kinder haben relativ gut mitgemacht. Luna konnte sich mit Filmen ablenken und auch Stella konnten wir mit dem Film „Marley und ich“ immer wieder aufheitern, weil dort auch ohne Ton ständig ein Hund über den Bildschirm läuft. Die meiste Zeit saß die Kleine sogar angeschnallt auf meinem Schoß und hat es nicht mal gemerkt. Geschlafen wurde leider sehr wenig. Gegen Ende wurde es dann auch in unserer Reihe etwas lauter und schließlich sind beide kurz vor dem Sinkflug eingeschlafen, was in mir auch einen gewissen Frieden ausgelöst hat.
Die beiden nach der Landung wieder aufzuwecken war wiederum nicht so schön, schließlich war auf der Deutschlanduhr Mitternacht bereits vorbei und sie hätten sich ihren Schlaf wirklich verdient. Es half alles nichts. Erst mussten wir nach dem Verlassen des Flugzeugs zur Einreise. Hier war es wichtig, dass wir auf unserer Touristenkarte nicht den normalen Stempel bekommen, sondern den Vermerk „residencia temporal“, was etwas aufwändiger war. Daher ließen uns die Herde der Mitreisenden an den Einreiseschaltern weit zurück, aber bei der Gepäckabholung fanden wir alle wartend vor, daher war alles zeitlich wieder neutral. Die Koffer kamen dann in sehr großen Abständen und sehr langsam da angeschlichen, sodass der Eindruck entstand, es ginge vielleicht jemand persönlich zum Flugzeug um jeden Koffer einzeln ans Gebäude hinzutragen oder so ähnlich. Naja, ob es daran lag, dass wir schon früh in FRA den Check-In hatten weiß ich nicht, auf jeden Fall kamen die beiden Gepäckstücke unserer Mädchen so gut wie als letztes an.
Während des Wartens lief ein Spürhund durch die Menge und hat bei uns etwas Essbares gefunden, was wir abgeben mussten. Außerdem war die Laune der Kinder bei der ganzen Warterei nicht so glänzend.
Dominik hatte schon vorab einen Fahrer für uns organisiert, der bereits bezahlt war und weit unter den Preisen lag, die am Flughafen von den Taxifahrern „vorgeschlagen“ werden. Ein bisschen nervös waren wir, ob es denn wirklich klappt, denn es hatte sich ja alles so in die Länge gezogen und wer weiß wie lange der wartet. Auf dem Platz vor dem Gebäude nahmen wir zuerst das warme Klima war und haben dann den Haufen von Taxifahrern gesehen. Unser Mann war schwer auszumachen und tatsächlich haben wir ihn nur gefunden weil irgendwann jemand „Dominik!“ gerufen hat.
In einem sehr komfortablen Chevrolet SUV, mit einer Klimaanlage mit gefühlten 5°, ging es dann für uns zu unserem Zielort. Er fuhr hauptsächlich auf der Autobahn gerade aus, nur die Bodenschwellen in unserem Ort haben dann unsere Große etwas durchgeschüttelt, sodass wir ganz unauffällig noch ein kleines Spucki hatten. War aber nicht schlimm, der ganze Tag war für Luna sehr gut gelaufen, das letzte bisschen war auch für uns alle zu viel.
Wir wohnen in einem privaten Areal mit Sicherheitsdienst am Tor. Dort mussten wir uns ausweisen und wurden dann bis zu unserer Wohnung begleitet, hinterher laufen war auch das einzige was wir noch hingekriegt haben.
Die Wohnung hat uns dann erstmal auf die Probe gestellt weil es im Dunkeln nicht so leicht war herauszufinden wie das Licht angeht. Bei allen Schaltern gingen nur die Deckenventilatoren an, aber mittlerweile sind wir entspannt und wissen wie es geht… Das nächste Problem war, dass uns versprochen wurde eine 20l Flasche mit Trinkwasser vorzufinden, was aber nicht so war. Also musste Dominik nochmal los und etwas kaufen.
Glücklicher Weise haben wir bereits im Vorfeld eine Familie online kennengelernt, die für die nächsten 10 Tage in der gleichen Anlage wohnt. Zu unserer Rettung konnten wir erstmal etwas Wasser von ihnen bekommen. Die Kinder waren praktisch am durchdrehen, völlig übermüdet und überfordert. Wir Eltern waren nicht besser dran, aber das wichtigste musste noch erledigt werden.
Aus unseren gesammelten Erfahrungen der letzten Reisetage wissen wir, dass nach der Sicherstellung der Trinkwasserversorgung und einer Notration das Familienbett hergestellt werden muss. So ist nun auch wieder die gesamte Einrichtung des einen Zimmers gegen die Matratzen des anderen Zimmers getauscht worden und ein Matratzenlager ist entstanden, aus dem niemand herausfallen kann. Denn natürlich sind wir mit Fliesenboden ausgestattet.
Anschließend blieb nichts weiter zu tun, als den Tag für beendet zu erklären.
Viele liebe Grüße aus Mexiko,
Eure Mirjam



